"Ghost in the Shell" Kinoreview

In den letzten Monaten war die Werbemaschinerie von Paramount Pictures in Bezug auf die Realverfilmung von „Ghost in the Shell“ sehr fleißig. Immer wieder wurden kleine Häppchen zu dieser Mangaumsetzung vorgeworfen und so verwundert es natürlich dann auch nicht, dass bei vielen Menschen eine gewisse Erwartungshaltung geweckt wurde.

Auch bei mir wurde eine gewisse Erwartung geweckt und um es schon mal vor weck zu nehmen, so ganz konnte mich der Film nicht überzeugen. Aber woran lag es.

Die Macher haben es bei einer Vorlage wie bei „Ghost in the Shell“ nicht ganz einfach. Denn die Story ist vorgegeben und wurde bereits verfilmt, so das man als Kenner immer einen Vergleich mit dem „Original“ machen wird und als verantwortlicher Produzent wird man diesen Vergleich wohl immer scheuen.

Denn einerseits wird es Leute geben, die unbedingt etwas neues, Frisches erwarten. Andere werden solche Änderungen gegenüber dem Original nicht positiv gegenüberstehen und so muss man sich wohl oder übel für einen Mittelweg entscheiden. Wenn dann noch dem sogenannten Mainstream entsprochen werden muss, was im Falle von Hollywood-Produktionen ja zwingend notwendig ist, wird es ganz kompliziert.

Man merkt dem Film dann auch an, dass er versucht, einen Spagat zwischen den Fans des Originals und dem Mainstreamkunden hinzubekommen, was sehr oft funktioniert aber genauso oft misslingt. Inhaltlich hatte man nicht viel Spielraum, musste aber einige Punkte aus der Vorlage etwas vereinfacht darstellen, um die Massen nicht abzuschrecken. Es gibt zwar immer noch die Überlegung, was das Menschsein eigentlich aus macht, aber es wird halt sehr einfach erzählt und mehr oder weniger nur an der Oberfläche des Plots gekratzt.

Man hat sich dann die Umsetzung manchmal ganz einfach gemacht, und hat sich einfach frech am Original bedient, ohne große Eigenständigkeit zu zeigen. Dieses Phänomen ist mir erstmals bei „Herr der Ringe Teil 1“ negativ aufgefallen, denn auch hier hatte man sich schamlos an der Animevorlage bedient und viele Einstellungen eins zu eins kopiert. So auch bei „Ghost of the Shell“.

Das Setting von „Ghost in the Shell“ war nicht schlecht, aber oft hatte ich den Eindruck, dass der Film effektüberladen ist. Gerade die Umsetzung der Mega-City gefiel mir gar nicht und es will sich mir nicht erschließen, warum ich beispielsweise ein Hologramm eines wolkenkratzergrossen Joggers im Straßenbild sehen muss oder warum die Straßenmakierungen aussehen müssen, als kommen Sie aus einem Pac Man Spiel. Futuristisch ist ja gut, aber man sollte es einfach nicht übertreiben und riesige Jogger, Geishas oder auch Koikarpfen gehören für mich niemals dahin. Da macht ein Film wie „Blade Runner“ oder „Total Recall“ seine Sache doch wesentlich besser.

Der Cast war natürlich sehr prominent besetzt, allerdings bin ich hier mit der Leistung nicht zu frieden. Insbesondere Scarlett Johanson hat mich doch sehr überrascht. Es ist natürlich keine leichte Aufgabe, einen Cyborg zu spielen, aber wenn ich mich in einigen Szenen schon übertrieben kühl und starr darstelle, dann sollte dieses „durchgehend“ immer auf die gleiche Weise geschehen, was aber nicht konsequent durchgehalten wird. Denn mal bewegt sich die gute Scarlett ganz normal und menschlich, in anderen Szenen dann starr und übertrieben „künstlich“, was wirklich nicht gut aussieht. Hier hätte ich mir doch eine gleichbleibende Darstellungsweise gewünscht, was auch auf andere Dinge übertragen werden kann.

So z.B. ist die Qualität der Spezialeffekt zwar auf einem hohen Niveau, aber leider haben sich einige Logikfehler eingeschlichen, die mir sofort aufgefallen waren. Es gibt im Film zwei Kämpfe im Wasser. Beides mal ist Scarlett Johanson unsichtbar und kämpft auch unsichtbar. Im ersten Kampf ist der Gegner dann komischerweise nicht in der Lage, sie zu sehen. Normalerweise würde man ja im Wasser zumindest eine Siluette sehen oder zumindest die Wasserverdrängung an den Stellen, wo sie im Wasser steht. Aber man sieht sie nicht. Im zweiten Kampf am Ende des Films ist aber genau dieser Umstand berücksichtigt worden, denn es sieht ja wunderbar aus, wenn das Wasser spritzt und von einer unsichtbaren Person verdrängt wird. Warum man hier unterschiedliche Darstellungsweisen verwendet, verwundert doch sehr.

Und auch die Synchronisation hat mich etwas verwundert. Der Antagonist ist stimmlich nicht gut besetzt, was aber nicht wirklich stört. Aber warum hat man den Chef von Sektion 19 nicht wirklich synchronisiert und hat hier die japanische Originalsprache beibehalten? Das hat weder zur Atmosphäre beigetragen, noch macht es wirklich Sinn und mich hat dieses ständig lesen der Untertitel etwas genervt.  

Insgesamt hat mir "Ghost of the Shell" gefallen, wobei mir gerade der Anfang und das Ende des Films am besten gefallen haben. Der Mittelteil war inhaltlich und umsetzungstechnisch am schwächsten.

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Fazit
durchschnitt 3 von 5

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass mir "Ghost in the Shell" zwar gefallen hat, aber doch einige negative Punkte das Filmvergnügen schmälern. So ist die schauspielerische Leistung gerade von Scarlett Johanson nur durchschnittlich, die Spezialeffekt zwar gut aber der Film mit CGI überladen und die futuristische Darstellung wirkt zeitweise etwas zu künstlich und für mich zu weit weggeholt, so dass die Glaubwürdigkeit verloren geht. Einige kleine Logikfehler und schwächen in der Synchronisation führen dazu, dass ich dem Hype des Films widerspreche und nur eine durchschnittliche Beurteilung aussprechen kann. Fans des Originals werden den Film mögen, genauso Science Fiction Fans. Aber wer Scarlett Johanson aus anderen Filmen her kennt und eine gleichwertig Scarlett erwarten, könnte enttäuscht werden.
Ghost in the Shell Cover
Ghost in the Shell
FSK
ab
16
freigegeben
Ghost in the Shell

Scarlett Johansson

Scarlett Johansson

Takeshi Kitano

Takeshi Kitano